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Das Haus am See

Seit drei Tagen hatte der Regen nun angehalten. Jeden Tag gab es mehrere Feuerwehreinsätze wegen Überflutungen und die Bürger wurden bereits gewarnt, ihre Fahrzeuge von den Straßen zu schaffen. So einen enormen Regen hatte es schon lange nicht mehr gegeben. Dabei waren Feld, Wald und Wiesen noch immer stark überwässert von den Schneemassen, die bis vor einigen Tagen noch überall herumlagen und nach und nach geschmolzen waren.


Es war ein Niederschlag, vor dem nicht einmal die Nachrichten gewarnt hatten. Er war einfach wie aus dem Nichts gekommen und ergoss seit drei Tagen Unmengen an Wasser auf die Erde.


Jason schaute aus dem Fenster hinaus auf das, was einmal eine Wiese gewesen war. Das Wasser war bereits bis zur Grenzlinie seines Gartens vorgedrungen und mittlerweile konnte man das Ganze als einen See bezeichnen. Er erstreckte sich bereits über das gesamte Feld, bis hin zu einem Fluss, der kaum noch als solcher zu erkennen war bis hin auf großen Weiden und Wiesen auf der anderen Flussseite.


Wasser, Wasser, überall Wasser. Und es hörte nicht auf zu regnen. Selbst die Bäume knarzten bereits unter der Last der Wassertropfen, die sie an Blättern und Nadeln auffingen.

Er öffnete das Fenster und das prasselnde Geräusch des Regens erfüllte den gesamten Raum. Ein kühler Windstoß tat sein übriges, um Jason das Gefühl zu geben, dass der Regen auch in seinem Wohnzimmer von der Decke herabkam. Schnell presste er sich etwas näher an die Heizung unterhalb des Fensterbrettes und nahm seine Kaffeetasse in beide Hände, um sie zu wärmen.


Die heiße Luft der Heizung kroch langsam durch sein T-Shirt bis nach oben und ließ ihn zumindest die kühle Luft ignorieren. Während er so hinaus auf die mit Regentropfen bombardierte Wasserfläche schaute, nahm er einen Schluck seines noch heißen Kaffees. Der intensive Geruch der schwarzen Flüssigkeit und das stetige Prasseln des Regens versetzen ihn in eine Art Trance. Er verlor nicht das Bewusstsein, oder die Selbstkontrolle, doch er starrte einfach unentwegt hinaus auf den See und beobachtete ihn. Irgendetwas in Jason sagte ihm, dass er etwas Bestimmtes sehen würde.


Das laute Geschnatter von einigen Enten, die im Sturzflug durch das Wasser pflügten, rissen ihn aus diesem Zustand. Er schüttelte den Kopf und nahm einen weiteren Schluck aus seiner Tasse. Es dauerte nur wenige Sekunden, bis seine Blicke wieder auf dem See verharrten. Das Trommeln und Plätschern war derart hypnotisch, dass er alles um sich herum vergaß. Er schaute einfach nur hinaus aufs Wasser.


Eine leicht spiegelnde Oberfläche, gespickt mit einzelnen Bäumen und kleinen Lichtern in weiter Ferne. Es war braun von all der aufgewühlten Erde, die darunter lag. An manchen Stellen war das Wasser etwas dunkler als an anderen Stellen. Es sah so als, als würde durch diesen großen See ein dunkler Fluss hindurchfließen. Als der Wind auffrischte und stärker wurde, konnte er diese farbliche Trennung nur umso deutlicher erkennen. Der Wind trieb tausende kleiner Wellen über den See, weg von seinem Haus hinaus in die Ferne, die nur noch aus Wasser und Bäumen zu bestehen schien.


Jasons Blicke folgten dem Strom so lange, bis die dunklen Wolken am Himmel und das braun-graue Wasser sich vermengten und kaum noch zu unterscheiden waren. Und dann sah er es. Das, wonach seine Blicke so vergeblich gesucht hatten. “Endlich …“ flüsterte er leise und trank den letzten Schluck seines Kaffees.



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